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Migräne: Ursachen, Symptome, Trigger

März 29, 2025

Zusammenfassung

Migräne ist eine chronische, neurologische Störung.

Migräne ist ein Kopfschmerz, der anfallsweise auftritt. Ein Anfall dauert 4 bis 72 Stunden. Sie ist durch einen sehr intensiven, pochenden, hämmernden Schmerz gekennzeichnet, der meist auf einer Seite auftritt. Jede körperliche Aktivität verstärkt die Schmerzen. Sie kann von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein.

Es gibt 4 Phasen einer Migräne. Die Prodromalphase, die Aura, die Kopfschmerzphase und Postdromalphase. Nicht alle treten bei jeder Migräne auf.

Die Auslösung einer Migräne beginnt, nach heutigem Wissen, mit einer Überaktivität von Nervenzellen im Hirnstamm.

Inhaltsverzeichnis
  1. Zusammenfassung
  2. Was ist Migräne? – Definition und Grundlagen
  3. Migräne  – wichtige Fakten
  4. Ursachen der Migräne – Pathophysiologie verstehen
  5. Migräne-Trigger – Die häufigsten Auslösefaktoren
  6. Die 4 Phasen einer Migräneattacke
  7. Migräne-Unterformen nach ICHD-3 Klassifikation
  8. Moderne Akuttherapie der Migräne
  9. Prophylaktische Migränebehandlung
  10. Nicht-medikamentöse Therapieansätze
  11. Trigger-Management und Präventionsstrategien
  12. Besondere Patientengruppen und Komorbiditäten
  13. Prognose und Lebensqualität bei Migräne
  14. Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Disclaimer
Die Inhalte dieses Blogbeitrags werden sorgfältig recherchiert und dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Sie ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Jede Person reagiert unterschiedlich, und wissenschaftliche Erkenntnisse entwickeln sich ständig weiter.
Bitte besprich gesundheitliche Fragen und Therapieentscheidungen immer mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.
Ich übernehme keine Haftung für Schäden oder Folgen, die aus der Anwendung der hier bereitgestellten Informationen entstehen.

Was ist Migräne? – Definition und Grundlagen

Wenn du schon mal eine richtige Migräneattacke hattest, weißt du: Das ist kein normaler Kopfschmerz. Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die viel mehr als nur Kopfweh verursacht. Der Begriff kommt übrigens vom griechischen „hemikrania“ – das bedeutet „halber Kopf“ und beschreibt schon ganz gut, wie sich eine Migräne oft anfühlt: Menschen mit Migräne haben bei einem Anfall häufig das Gefühl, die Hälfte des Kopf ist ein Flammeninferno. Migräne ist ein Kopfschmerz, der anfallsweise auftritt. Ein Anfall dauert 4 bis 72 Stunden. Sie ist durch einen sehr intensiven, pochenden, hämmernden Schmerz gekennzeichnet, der meist auf einer Seite auftritt. Jede körperliche Aktivität verstärkt die Schmerzen. Sie kann von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein

Etymologie und medizinische Einordnung

Was macht Migräne so besonders? Migräneattacken sind eine Kombination aus intensiven, meist einseitigen und pochenden Kopfschmerzen mit anderen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und extremer Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Neurologen sehen täglich, wie sehr diese Erkrankung das Leben von Patienten beeinflusst.

Epidemiologie und gesellschaftliche Bedeutung

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Weltweit leiden etwa 1,1 Milliarden Menschen an Migräne – das ist jeder siebte Mensch! Was mich immer wieder überrascht: Migräne ist für 4,9% aller gesundheitsbedingten Behinderungsjahre verantwortlich. Das ist wahnsinnig viel, wenn du bedenkst, dass es „nur“ Kopfschmerzen sind. 

Tag für Tag sind Hunderttausende von Menschen wegen einer Migräne ans Bett gefesselt. Doch trotz dieser unglaublichen gesundheitlichen Belastung, die sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft hohe Kosten verursacht, ist die Migräne immer noch eine stark stigmatisierte Krankheit, und viele, viele Menschen in allen Teilen der Welt erhalten nicht die richtige Behandlung.

Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzarten

Hier wird’s wichtig: Nicht jeder starke Kopfschmerz ist eine Migräne. Spannungskopfschmerzen fühlen sich anders an – wie ein Schraubstock um den Kopf. Migräne hingegen pulsiert, klopft und macht dich oft komplett handlungsunfähig.

Migräne  – wichtige Fakten

Lass mich dir mal ein paar Fakten zeigen, die dich vielleicht überraschen werden. 

Häufigkeit

Migräne ist  eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie ist häufiger als Diabetes, Asthma und Epilepsie zusammen. Sie ist die Nummer 1 unter den chronischen Krankheiten bei Menschen unter 50. 

Nach Angaben der WHO gehört sie zu den zehn häufigsten neurologischen Erkrankungen, die weltweit zu Krankheit und Behinderung führen.

Menschen mit einem „Migräne Gehirn“ neigen dazu, das Schlimmste zu befürchten und sich ständig Sorgen zu machen, was passieren könnte.

Prävalenz und Geschlechtsverteilung

Hier wird’s interessant: Vor der Pubertät haben Jungen häufiger Migräne als Mädchen. Aber dann dreht sich das Blatt komplett. Nach der Pubertät leiden Frauen dreimal häufiger unter Migräne als Männer. Das liegt hauptsächlich an den Hormonen – ein Thema, das wir später noch genauer besprechen.

Altersabhängige Verteilung und Lebensverlauf

Die meisten Migräne Betroffenen sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Das ist kein Zufall – in diesem Alter erreicht die Migräne ihren Höhepunkt. Die gute Nachricht? Nach dem 40. Lebensjahr werden die Attacken oft seltener und schwächer. Bei Frauen bessert sich die Migräne  nach den Wechseljahren in vielen Fällen.

Wirtschaftliche Auswirkungen und Behinderungsgrad

Was viele nicht wissen: Migräne kostet unsere Gesellschaft Milliarden. Nicht nur durch direkte Behandlungskosten, sondern vor allem durch Arbeitsausfälle. Ein Klient erzählte mir mal: „Ich falle jeden Monat mindestens zwei Tage aus. Das summiert sich.“ Es betrifft die Menschen in den produktivsten Phasen ihres Lebens, in den Jahren der Ausbildung, des Berufslebens und der Familiengründung.

Warum behandeln?

Migräne erhöht das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, erheblich. Unbehandelt kann sie sich zu einer chronischen Migräne entwickeln.

Ursachen der Migräne – Pathophysiologie verstehen

Okay, jetzt wird’s wissenschaftlich – aber ich erkläre es dir so, dass du es verstehst. Migräne ist nicht einfach nur ein Gefäßproblem, wie man früher dachte.  Migräne ist eine chronische, neurologische Störung.

Genetische Grundlagen und Vererbung

„Läuft Migräne in Familien?“ – diese Frage höre ich ständig. Die Antwort ist eindeutig: Ja! Wenn ein Elternteil Migräne hat, liegt dein Risiko bei etwa 40%. Haben beide Eltern Migräne, steigt es auf 75%. Über 100 verschiedene Gene können beteiligt sein – jeder hat sozusagen sein eigenes „Migräne-Rezept“. 

Die Theorie besagt, dass es als eine Reaktion auf die Erweiterung der  größeren Hirnarterien, und die dadurch bedingte stärkere Durchblutung, zu einer Verengung der Mikrogefäße kommt, Dies könnte eine Schutzreaktion des Körpers sein, um die erhöhte Durchblutung zu regulieren und Schäden an den Kapillaren zu verhindern

Neurochemische Mechanismen

Das Gehirn von Migränepatienten ist hyperexzitabel – es reagiert viel stärker auf Reize. Stell dir vor, dein Gehirn wäre ein Auto mit viel zu empfindlichem Gaspedal. Der kleinste Druck und es rast los. Das Gehirn hat also die generelle Bereitschaft, auf bestimmte Reize mit Migräne zu reagieren. Was diese Reize sind, ist bei jedem von uns anders. Aber das herauszufinden ist ein sehr wichtiger Teil des Prozesses zur Kontrolle der Migräne. 

Das Gehirn ist weniger gut in der Lage, Sinnesreize zu blockieren. Ein Sinnesreiz wird jedes Mal als etwas Neues behandelt und die Gewöhnung tritt, im Vergleich zu Menschen ohne Migräne, verzögert ein.

Diese Übererregbarkeit des Gehirns verursacht einen erhöhten Energiebedarf des Gehirns. Wenn das Gehirn in eine Situation gerät, in der es noch mehr Energie benötigt, z. B. in einer Stresssituation, bekommt es möglicherweise nicht genug, und dieser Energiemangel kann dann zu einem Migräneanfall führen.

Menschen mit einem „Migräne Gehirn“ neigen dazu, das Schlimmste zu befürchten und sich ständig Sorgen zu machen, was passieren könnte.

Trigeminovaskuläres System

Der Trigeminusnerv ist der Hauptakteur bei der Entstehung der Migräne. Wenn er aktiviert wird, setzt er Entzündungsstoffe frei, die wahnsinnige Schmerzen in den Hirnhäuten verursachen. CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) spielt dabei eine Schlüsselrolle – deshalb sind die neuen CGRP-Medikamente so revolutionär.

Neurotransmitter-Ungleichgewichte

Serotonin, unser „Glückshormon“, ist bei Migräne oft aus dem Gleichgewicht. Zu wenig Serotonin kann Attacken triggern. Das erklärt auch, warum manche Antidepressiva bei Migräne helfen.

Cortical Spreading Depression bei Aura-Migräne

Nach der neurovaskulären Theorie beginnt eine Migräneattacke im Hirnstamm. Es konnte gezeigt werden, dass es dort einen Bereich gibt, der vor einer Migräne stärker durchblutet wird.

Man vermutet, dass diese Überaktivität der Nervenzellen dann die Migräne auslöst.

Durch die Überaktivität der Nervenzellen werden über den Trigeminusnerv (unser Gesichtsnerv) Schmerzsignale an das Gehirn geschickt.

Dieses wiederum führt zur Ausschüttung bestimmte Botenstoffe (das Neuropeptid CGRP), wodurch es zu einer Dehnung der Blutgefäße und Freisetzung entzündliche Eiweißstoffe kommt.

Diese Dehnung der Blutgefäße nennt man Vasodilatation. Diese Erweiterung der Blutgefäße trägt zur Entstehung von Migräneschmerzen bei, da sie Druck auf umliegende Nerven ausübt.

Es kommt zu Entzündungs- Reaktionen in dem Hirngewebe

Und dadurch wiederum zu Schmerzimpulsen welche sich ausbreiten und die Migränekopfschmerzen hervorrufen.

Eine Welle der Überaktivierung wandert mit 3-4 mm pro Minute über die Hirnrinde, gefolgt von kompletter Ruhe. Das verursacht die typischen Aura-Symptome wie Lichtblitze oder Kribbeln.

Entstehung einer Migräne in 10 Schritten

Theorie der mikrovaskulären Verengung 

Als eine Ergänzung zu dem obigen Model kommt die Theorie der mikrovaskulären Verengung hinzu.

Diese besagt, dass während einer Migräneattacke zwar die größeren Hirnarterien erweitert sind, aber die kleineren, distalen Mikrogefäße sich verengen.

Distale Mikrogefäße im Gehirn sind die kleinsten Blutgefäße, die sich in den äußersten Bereichen des Gehirns befinden. Diese Mikrogefäße, auch Kapillaren genannt, sind entscheidend für die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen sowie für den Abtransport von Abfallstoffen. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor schädlichen Substanzen schützt.

Die Theorie besagt, dass es als eine Reaktion auf die Erweiterung der  größeren Hirnarterien, und die dadurch bedingte stärkere Durchblutung, zu einer Verengung der Mikrogefäße kommt, Dies könnte eine Schutzreaktion des Körpers sein, um die erhöhte Durchblutung zu regulieren und Schäden an den Kapillaren zu verhindern

Es ist aber auch möglich, dass diese Verengung eine Folge der Entzündungsprozesse ist, da durch diesen die innere Auskleidung der Blutgefäße (des Endothels) in ihrer Funktion gestört wird.

Diese Verengung der Mikrogefäße kann zu einer verminderten Sauerstoffversorgung in bestimmten Hirnregionen führen, was wiederum zu Schmerzen, und weiteren Migränesymptomen wie Aura und neurologischen Ausfällen beitragen kann.

Migräne-Trigger – Die häufigsten Auslösefaktoren

„Was löst deine Migräne aus?“ Das ist eine wichtigste Frage die du dir stellen kannst. Trigger zu kennen bedeutet, sie vermeiden zu können.

Emotionaler Stress als Haupttrigger

Stress ist mit 79,7% der absolute Spitzenreiter unter den Triggern. Aber Achtung: Oft kommt die Migräne nicht während der Stressphase, sondern danach – die berühmte „Wochenend-Migräne“. Dein Körper entspannt sich, der Serotoninspiegel sinkt, und zack – da ist die Attacke.

Hormonelle Einflüsse und Zyklusschwankungen

Menstruation, Eisprung, Pille, Schwangerschaft – bei Frauen hängt oft alles mit den Hormonen zusammen. Viele meiner Patientinnen können ihre Migräne regelrecht vorhersagen. Der Östrogenspiegel fällt ab, und die Migräne meldet sich pünktlich.

Ernährung und Lebensgewohnheiten als Triggerfaktoren

Mahlzeiten auslassen ist ein Klassiker – 57,3% der Betroffenen kennen das. Dein Blutzucker sackt ab, und das Gehirn reagiert mit einer Migräneattacke. Auch bestimmte Nahrungsmittel wie gereifter Käse, Rotwein oder Schokolade können Trigger sein. Aber pass auf: Oft ist es nicht das Lebensmittel selbst, sondern der Heißhunger vor der Attacke, der dich zum Schokoladenregal führt.

Umweltfaktore und Wetterempfindlichkeit

„Ich spüre das Wetter im Kopf“ – das sagen mir viele Patienten. Wetterumschwünge, Föhn, oder plötzliche Temperaturwechsel können Migräne auslösen. Auch helles Licht ist ein häufiger Trigger – deshalb tragen viele Migränepatienten immer eine Sonnenbrille bei sich.

Die 4 Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräne ist wie ein vierteiliges Drama – nicht jeder erlebt alle Akte, aber wenn doch, dann in einer ganz bestimmten Reihenfolge.

Es können vier aufeinanderfolgenden Phasen unterschieden werden: Prodromalphase, Auraphase, Kopfschmerzphase und Postdromalphase.

Nicht alle Phasen treten bei jeder Migräne auf. Es gibt viele Betroffenen, die nie eine Aura erleben, es gibt Betroffenen, die zwar die Aura, aber nicht die Kopfschmerzphase erleben, es gibt auch Fälle, wo eine Phase mehrmals hintereinander auftritt.

Auch die Schwere ist relativ da jede Migräne Betroffene das anders empfindet. Manche empfinden z.B. die Auraphase als bedrohlicher, und somit als belastender, als die Kopfschmerzphase

Prodromalphase – Frühe Warnsignale erkennen

„Ich weiß schon zwei Tage vorher, dass eine Migräne kommt“, sagen viele. Die Prodromphase ist genial – wenn du sie erkennst. Plötzlicher Heißhunger auf Süßes, extreme Müdigkeit oder grundlose Euphorie können Vorboten sein. Manche werden auch extrem gesprächig oder bekommen Nackensteifigkeit.

Die Prodromalphase, auch als Vorbotenphase bekannt, kann Stunden bis Tage vor der eigentlichen Kopfschmerzattacke auftreten. Sie ist gekennzeichnet durch unspezifische Symptome, die individuell variieren können:

  • Psychische Veränderungen: Reizbarkeit, depressive Verstimmungen oder gehobene Stimmung
  • Vegetative Symptome: Müdigkeit, vemehrtes Gähnen, Schwitzen oder Frieren, Muskelverspannungen, Schlafprobleme, Übelkeit
  • Appetitveränderungen: Heißhungerattacken oder Appetitlosigkeit.​

Diese Symptome dienen oft als Warnsignale für eine bevorstehende Migräneattacke.

Auraphase – Neurologische Vorzeichen

Nur etwa 20-30% erleben eine Aura, aber wenn, dann ist sie unvergesslich.

Eine Aura sind ist eine langsam aufkommende „Empfindung“. Sie kann visuell sein, wie das Sehen von Lichtern oder blinden Flecken, aber auch das Hören von Geräuschen oder seltsame Empfindungen in anderen Körperteilen wie Kribbeln.

Diese Symptome entwickeln sich in der Regel allmählich über mindestens 5 Minuten und können bis zu 60 Minuten andauern.

Nicht auf alle Auren folgen Kopfschmerzen, aber da sie typischerweise der Kopfschmerzphase vorausgehen, können sie als weitere Warnung vor möglichen Kopfschmerzen dienen.

Bei etwa 20 % der Betroffenen kann die Aura länger als 60 Minuten andauern,

Bei einigen Menschen tritt die Aura erst auf, wenn die nächste Phase, die Kopfschmerzphase, bereits begonnen hat.

Visuelle Aurasymptome

Stell dir vor, jemand würde einen defekten Fernseher vor deine Augen halten. Flimmern, Zickzack-Linien, blinde Flecken bis hin zu einem temporären Sehverlust – das Gehirn spielt verrückt. Es kommt zu Sehstörungen. Die gute Nachricht: Es ist völlig harmlos und geht nach spätestens einer Stunde wieder weg.

Sensorische und motorische Aura

Kribbeln, das von der Hand über den Arm bis zum Gesicht wandert – das ist eine sensorische Aura. Bei der motorischen Aura fühlst du dich schwach oder sogar teilweise gelähmt. Klingt schlimm, ist aber reversibel. 

Kopfschmerzphase

Jetzt geht es los. Die Kopfschmerzphase ist das, was die meisten Menschen mit Migräne verbinden. Diese Phase dauert typischer weise zwischen vier und 72 Stunden. Symptome sind starke, pochende Kopfschmerzen, meistens auf einer Seite, die durch Bewegung stärker werden. Andere Symptome wie Übelkeit und Erbrechen oder Licht-und Geräuschempfindlichkeit, Schwindel und Angstzustände kommen hinzu.Die Stärke der Kopfschmerzen kann von Person zu Person, aber auch von Anfall zu Anfall, stark variieren.

Der Schmerz kann sich im Verlauf der Kopfschmerzphase von einer Seite des Kopfes auf die andere verlagern oder, was noch häufiger vorkommt, auf einer Seite beginnen und dann allmählich die andere Seite einbeziehen.

  • Schmerzcharakter: Pochend, pulsierend, oft einseitig lokalisiert.
  • Intensität: Mittelstark bis stark, beeinträchtigt häufig die täglichen Aktivitäten
  • Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Photophobie und Phonophobie (d.h. Geräusch- und Lichtempfindlichkeit), Frieren, Schwitzen, Appetitverlust, Fieber, Kopfhaut fühlt sich wie eingeschlafen an, Blässe.

Postdromalphase

oder auch, sehr treffend, als „Migräne Kater“ bezeichnetete Phase. Nach Abklingen der Kopfschmerzen berichten Patienten häufig über:

  • Erschöpfung: Müdigkeit und reduzierte Leistungsfähigkeit.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrationsschwierigkeiten und verlangsamtes Denken.
  • Affektive Symptome: Depressive Verstimmung oder, seltener, Euphorie.

Diese Phase kann bis zu 48 Stunden andauern.

Nicht bei allen, aber bei den meisten Migräne-Betroffenen tritt eine Postdromalphase auf. Einige empfinden sie als Erleichterung, da das Schlimmste überstanden ist, für andere ist diese Phase genauso belastend wie die Kopfschmerzphase.

Migräne-Unterformen nach ICHD-3 Klassifikation

Migräne ist nicht gleich Migräne. Die International Classification of Headache Disorders unterscheidet verschiedene Typen – lass mich dir die wichtigsten erklären.

Migräne ohne Aura – Der häufigste Typ

Das ist der Klassiker: 75% aller Migränepatienten haben diesen Typ. Wiederkehrende Attacken, die 4-72 Stunden dauern, einseitig und pulsierend sind, sich bei Bewegung verschlechtern und von Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet werden.

Migräne mit Aura – Besonderheiten und Symptome

Hier kommen vor den Kopfschmerzen noch neurologische Symptome dazu. Die Aura entwickelt sich langsam über 5-20 Minuten und klingt nach spätestens 60 Minuten wieder ab. Wichtig: Die Aura ist vollständig reversibel.

Spezielle Migräneformen

Hemiplegische Migräne

Das ist die dramatischste Form: Die Aura verursacht echte Lähmungserscheinungen auf einer Körperseite. Sieht aus wie ein Schlaganfall, ist aber keiner. Es gibt eine familiäre Form (genetisch bedingt) und eine sporadische Form.

Vestibuläre Migräne

Schwindel steht hier im Vordergrund, nicht der Kopfschmerz. Viele Patienten haben jahrelang HNO-Ärzte aufgesucht, bis endlich die richtige Diagnose gestellt wurde.

Chronische Migräne

15 oder mehr Kopfschmerztage pro Monat, mindestens drei Monate lang – das ist chronische Migräne. Eine schwere Form, die spezieller Behandlung bedarf.

Moderne Akuttherapie der Migräne

Früher gab es nur Aspirin und Hoffnung. Heute haben wir eine ganze Palette effektiver Medikamente. Das Ziel: schnell schmerzfrei werden und wieder funktionsfähig sein.

Triptane – Der Goldstandard

Triptane sind seit den 90ern der Goldstandard. Sie greifen direkt in die Migräne-Pathophysiologie ein und stoppen die Attacke. 42-76% der Patienten sind nach zwei Stunden schmerzfrei – das ist genial!

Wirkmechanismus und Anwendung

Triptane aktivieren Serotonin-Rezeptoren und stoppen so die Freisetzung von Entzündungsstoffen. Wichtig: Sie wirken nur bei Migräne, nicht bei anderen Kopfschmerzen. Das ist sowohl Stärke als auch Schwäche.

Verschiedene Triptan-Präparate im Vergleich

Sumatriptan war das erste, Rizatriptan wirkt am schnellsten, Eletriptan am längsten. Jeder Patient reagiert anders – manchmal muss man mehrere ausprobieren.

NSAIDs in der Migränetherapie

Ibuprofen, Naproxen und Co sind oft unterschätzt. Bei leichten bis mittelschweren Attacken können sie sehr gut helfen. Der Vorteil: Du kennst sie, sie sind gut verträglich und überall verfügbar.

Innovative Akutmedikamente

Gepante – CGRP-Antagonisten

Das sind die Newcomer: Ubrogepant und Rimegepant blockieren CGRP-Rezeptoren, ohne die Gefäße zu verengen. Perfekt für Patienten mit Herzproblemen, die keine Triptane nehmen können.

Ditane – Neue Wirkstoffklasse

Lasmiditan aktiviert andere Serotonin-Rezeptoren als Triptane, ohne Gefäßverengung zu verursachen. Der Haken: 8 Stunden Fahrverbot nach der Einnahme.

Prophylaktische Migränebehandlung

Wenn du mehr als vier Attacken pro Monat hast oder die Attacken sehr schwer sind, solltest du über eine Prophylaxe nachdenken. Das Ziel: Attacken seltener und schwächer machen.

Indikationen für eine Prophylaxe

Mehr als vier Attacken pro Monat, sehr schwere oder lange Attacken, schlechtes Ansprechen auf Akutmedikamente oder deren Überdosierung – das sind klare Indikationen für eine Prophylaxe.

Klassische Prophylaxe-Medikamente

Betablocker in der Migräneprophylaxe

Propranolol und Metoprolol sind bewährt und oft erste Wahl. Sie reduzieren die Attackenhäufigkeit um 50% oder mehr. Vorsicht bei Asthma oder schwerer Herzinsuffizienz.

Antikonvulsiva und Antidepressiva

Topiramat kann sehr gut helfen, macht aber oft müde und kann zu Gewichtsverlust führen. Amitriptylin ist besonders bei begleitender Depression eine gute Wahl.

Moderne prophylaktische Ansätze

CGRP-Antikörper – Revolutionäre Therapie

Das ist die Revolution: Erenumab, Fremanezumab und Co sind spezifisch für Migräne entwickelt worden. Einmal monatlich gespritzt, kaum Nebenwirkungen, geniale Wirkung. Ich sehe Patienten, die nach Jahrzehnten endlich wieder leben können.

Botulinum-Toxin bei chronischer Migräne

„Botox gegen Migräne?“ – ja, das funktioniert! Alle drei Monate werden 31 Injektionen in Kopf- und Nackenmuskulatur gegeben. Nur bei chronischer Migräne zugelassen, aber sehr effektiv.

Nicht-medikamentöse Therapieansätze

Medikamente sind wichtig, aber sie sind nicht alles. Lebensstil und Verhalten spielen eine riesige Rolle bei Migräne.

SEEDS-Konzept – Lifestyle-Modifikation

SEEDS steht für Sleep (Schlaf), Exercise (Bewegung), Eat (Ernährung), Diary (Tagebuch) und Stress (Stressmanagement). Diese fünf Säulen sind das Fundament jeder Migränetherapie.

Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken

Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Biofeedback, kognitive Verhaltenstherapie – das alles kann helfen. Besonders bei stressbedingter Migräne ist Entspannung Gold wert.

Nahrungsergänzungsmittel in der Migränetherapie

Magnesium 400mg täglich, Riboflavin (Vitamin B2) 400mg, L-Arginin oder Coenzym Q10 – es gibt durchaus Evidenz für diese Supplemente. Natürlich ist nicht automatisch harmlos, aber diese drei haben sich bewährt.

Trigger-Management und Präventionsstrategien

Der beste Migräneanfall ist der, der gar nicht erst kommt. Trigger zu kennen und zu vermeiden ist deshalb so wichtig.

Kopfschmerztagebuch führen

„Führen Sie ein Tagebuch“ – das sage ich jedem Migränepatienten. Nur so findest du deine persönlichen Trigger und Muster. Heute gibt’s dafür super Apps, die dir die Arbeit erleichtern.

Individuelle Trigger identifizieren und vermeiden

Jeder hat seine eigenen Trigger. Bei einem ist es der Rotwein, beim anderen die Wetterumschwung. Manche reagieren auf bestimmte Gerüche oder zu wenig Schlaf. Das Tagebuch hilft dir, deine Trigger zu entlarven.

Langfristige Lebensstil-Anpassungen

Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Trinken, moderater Ausdauersport – klingt langweilig, wirkt aber. Viele meiner Patienten haben allein dadurch deutlich weniger Attacken.

Besondere Patientengruppen und Komorbiditäten

Migräne betrifft Menschen unterschiedlich – je nach Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen gibt es Besonderheiten zu beachten.

Migräne bei Kindern und Jugendlichen

Kindermigräne ist oft beidseitig und kürzer als bei Erwachsenen. Übelkeit und Erbrechen stehen im Vordergrund. Wichtig: Nicht jedes Kind mit Kopfschmerzen hat Migräne. Eine gründliche Diagnostik ist essentiell.

Migräne in der Schwangerschaft

Schwangerschaft kann ein Segen für Migränepatientinnen sein – viele haben deutlich weniger Attacken. Aber Vorsicht bei der Medikation: Viele Migränemedikamente sind in der Schwangerschaft tabu.

Komorbide Erkrankungen und deren Behandlung

Migräne kommt selten allein: Depression, Angststörungen, Epilepsie, Schlaganfall – das Risiko für diese Erkrankungen ist bei Migränepatienten erhöht. Das muss bei der Therapie berücksichtigt werden.

Prognose und Lebensqualität bei Migräne

Die wichtigste Botschaft zum Schluss: Migräne ist behandelbar! Mit den heutigen Möglichkeiten kann den meisten Migräne Betroffenen, aber leider nicht allen, deutlich geholfen werden.

Langzeitverlauf und Heilungschancen

Migräne ist eine chronische Erkrankung, aber das bedeutet nicht, dass du dein Leben lang leiden musst. Mit der richtigen Therapie können 50% oder mehr der Patienten ihre Attackenhäufigkeit halbieren. Geheilt werden kann Migräne allerdings nicht.

Medication-Overuse-Headache vermeiden

Der größte Fehler: Schmerzmittel zu oft nehmen. Mehr als 10 Tage pro Monat Schmerzmittel können zu Dauerkopfschmerz führen. Weniger ist oft mehr!

Patientenedukation und Selbstmanagement

Je mehr du über deine Migräne weißt, desto besser kannst du damit umgehen. Versteh deine Trigger, erkenn deine Warnsignale, nimm Medikamente richtig ein – du bist der Experte für deine Migräne.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet werden.

Was sind die Ursachen von Migräne?

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig verstanden. Es wird jedoch angenommen, dass genetische, umweltbedingte und neurologische Faktoren eine Rolle spielen. Zu den häufigsten Auslösern gehören Stress, bestimmte Nahrungsmittel und hormonelle Veränderungen.

Wie erfolgt die Diagnose einer Migräne?

Die Diagnose einer Migräne erfolgt in der Regel durch eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Ärzte können auch spezifische Kriterien der International Headache Society verwenden, um die Art der Migräne zu bestimmen.

Was sind die typischen Symptome einer Migräne?

Typische Symptome einer Migräne umfassen starke, pulsierende Kopfschmerzen, häufig einseitig, und können von Symptomen wie Aura, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet werden. Die Symptome können mehrere Stunden bis Tage andauern.

Wie kann man Migräneattacken vorbeugen?

Vorbeugung von Migräne umfasst Änderungen im Lebensstil, wie regelmäßige Schlafmuster, Stressmanagement und das Vermeiden von bekannten Auslösern. In einigen Fällen können auch prophylaktische Medikamente wie Beta-Blocker oder Triptane eingesetzt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Migräne?

Die Behandlung der Migräne kann sowohl akute als auch prophylaktische Therapien umfassen. Akute Behandlungen wie Triptane (z.B. Zolmitriptan, Naratriptan) können helfen, die Symptome während einer Migräneattacke zu lindern, während prophylaktische Medikamente dazu dienen, die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.

Was ist eine Migräne mit Aura?

Eine Migräne mit Aura ist eine Form der Migräne, bei der die Betroffenen vor den Kopfschmerzen visuelle oder sensorische Symptome erleben. Diese Aura kann Lichtblitze, flimmernde Lichter oder Taubheitsgefühle umfassen und klingt normalerweise innerhalb von 60 Minuten ab.

Wie häufig tritt Migräne auf?

Die Prävalenz der Migräne  in den Industrieländern ist hoch. Es wird geschätzt, dass Frauen 3 Mal häufiger betroffen sind als Männer, insbesondere während ihrer reproduktiven Jahre.

Kann Migräne geheilt werden?

Migräne ist eine chronische neurologische Erkrankung, die aktuell nicht heilbar ist. Aber sie ist in den meisten Fällen gut behandelbar! Mit modernen Therapien können wir die Attackenhäufigkeit und -schwere deutlich reduzieren.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Bei häufigen Kopfschmerzen (mehr als 4 Attacken pro Monat), sehr starken Schmerzen, oder wenn sich das Kopfschmerzmuster plötzlich ändert. Auch bei neurologischen Symptomen wie Lähmungen oder Sprachstörungen solltest du sofort einen Arzt aufsuchen.

Sind Triptane gefährlich?

Triptane sind sehr sichere und effektive Medikamente, wenn sie richtig angewendet werden. Sie dürfen aber nicht bei Herzerkrankungen oder nach Schlaganfall eingenommen werden. Lass dich von deinem Arzt beraten.

Kann ich Migräne vererben?

Ja, Migräne ist stark erblich. Wenn ein Elternteil betroffen ist, liegt dein Risiko bei etwa 40%. Das bedeutet aber nicht, dass du automatisch Migräne bekommst – die Gene müssen erst „aktiviert“ werden.

Hilft Magnesium wirklich bei Migräne?

Ja, Magnesium kann prophylaktisch helfen. Die empfohlene Dosis liegt bei 400mg täglich. Es dauert aber mindestens 3 Monate, bis eine Wirkung eintritt. Nicht jeder Patient spricht darauf an.

Was kann ich während einer Attacke tun?

Ruhe, Dunkelheit, Kälte am Kopf – das sind die Basics. Nimm deine Akutmedikation früh ein, nicht erst wenn der Schmerz unerträglich wird. Viele schwören auch auf Pfefferminzöl auf Schläfen und Stirn.

Warum bekommen Frauen häufiger Migräne?

Das liegt an den Hormonen. Östrogenschwankungen – wie bei Menstruation, Eisprung oder in den Wechseljahren – können Migräne triggern. Deshalb sind Frauen nach der Pubertät dreimal häufiger betroffen als Männer.

Kann Sport Migräne auslösen?

Bei manchen Menschen kann intensiver Sport Migräne triggern. Aber regelmäßiger, moderater Sport ist gut geeignet um Migräne vorzubeugen (Migräneprophylaxe). Wichtig ist: langsam steigern und auf deinen Körper hören.

Was ist der Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerzen?

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Typisch sind einseitige, pulsierende Schmerzen mit Übelkeit und Licht-/Geräuschempfindlichkeit. Spannungskopfschmerzen fühlen sich eher wie ein Schraubstock um den Kopf an und haben keine Begleitsymptome.

Können Kinder schon Migräne haben?

Ja, Migräne kann in jedem Alter auftreten. Bei Kindern ist sie oft beidseitig und kürzer als bei Erwachsenen. Vor der Pubertät sind Jungen sogar häufiger betroffen als Mädchen.

Was ist chronische Migräne?

Chronische Migräne bezieht sich auf Migräneanfälle, die an mehr als 15 Tagen im Monat auftreten. Diese Form der Migräne kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen und erfordert oft eine intensivere Therapie der Migräne.